Bloggen vs. Beruf oder profitieren doch beide voneinander?

Beruf und Bloggen
Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Das Bloggen ist für mich – wie auch für viele andere in der Blogosphäre – in erster Linie eine liebe Freizeitbeschäftigung. Manchmal wünschte ich mir dafür ein bisschen mehr Zeit und hin und wieder muss es dann doch hinten anstehen.

Normalerweise verdiene ich meine Brötchen mit einem ganztägigen Bürojob, der eigentlich nicht viel mit dem Bloggen gemein hat. Die einzige Gemeinsamkeit ist das Schreiben – wenn auch in sehr unterschiedlichen Schreibstilen und aus einer anderen Motivation heraus. Kürzlich fiel mir dann doch auf, dass sich beides hin und wieder vermischt. Und ich meine nicht unbedingt im negativen Sinne.

Als längjährige Berufstätige in der selben Branche besteht oft die Gefahr des Scheuklappen-Denkens. Der Sprachschatz, selbst die Denkweise wird im Laufe der Jahre geprägt durch den ständigen Umgang mit Fachbegriffen, die ich als solche gar nicht mehr empfinde und Kollegen um mich herum, die in gleichen Bahnen denken. Daher muss ich mich immer wieder ein wenig wachrütteln und mir bewusst machen, dass meine berufsbedingte Ausdrucksweise für Betriebsfremde böhmische Dörfer sein könnten.

Mittlerweile habe ich festgestellt, dass sich meine berufliche Tätigkeit durch das Bloggen eher positiv entwickelt hat und umgekehrt ich beruflich wiederum ein bisschen über den Tellerrand hinausblicken kann.

Positives für den Beruf

ZeitersparnisMein Sprachschatz hat sich erweitert und mein Schreibstil ist flüssiger geworden. Neben meinem Hauptsachgebiet wurde mir zusätzlich die Aufgabe der TUI(=technikunterstützender Informationsverarbeitung)-Betreuerin übertragen. Mit anderen Worten fordere ich z. B. den Netzwerkzugang neuer Mitarbeiter bei unserer EDV-Abteilung an oder leite Änderungen ein, helfe bei kleinen PC-Problemen am Arbeitsplatz der Kollegen und ändere auch schon mal Inhalte der Internetseite über unseren Bereich. Mir erscheint durch den Umgang mit meinem Blog vieles einleuchtender und selbstverständlicher. Dadurch wiederum spare ich viel Zeit, die ich vor einigen Jahren wegen Unkenntnis für Recherchen benötigt habe.

Ein kleines Beispiel möchte ich hier anführen:

Ich sollte einen speziellen Kalender in unserem GroupWise-Programm anlegen, die entsprechenden Rechte für einzelne Mitarbeiter vergeben und natürlich letztendlich auch die ein oder andere Hilfestellung geben, falls es Probleme mit dem Handling geben sollte.

Unser Mitarbeiterstamm besteht u. a. aus Kollegen, die nicht viel mit PC im Sinn haben und nur mit den für ihr Sachgebiet benötigten Programmen arbeiten. Wenn dann Fragen auftauchen oder mal eine Makroleiste versehentlich entfernt wurde, bin ich eben zur Stelle. Da es aber sehr zeitaufreibend ist bei jedem vorbei zu schauen, dachte ich mir  „Erstelle doch ein kleines Tutorial für meine Kollegen“ und wenn dann noch Fragen sein sollten, bin ich da.

Gesagt, getan. Die Softwareauswahl auf meinem Dienst-PC ist zwar sehr beschränkt, aber IrfanView reicht für diese Zwecke vollkommen aus, wie ich in diesem Beitrag bereits beschrieben habe. Also das Tutorial an alle betreffende Kollegen verschickt und was soll ich sagen, ich bekam anschließend prompt positive Rückmeldungen wie „Das habe ja selbst ich verstanden!“ und „Wie hast Du das denn gemacht, das ist ja toll!“ smilie Das hat mich schon tierisch gefreut. Bisher kam auch nur eine kleine Nachfrage.

Der Vorteil dieses minimalen Aufwandes liegt klar auf der Hand. Das Tutorial ist abgespeichert und immer zur Hand, z. B. für neue Kollegen smilie Habe ich für längere Zeit diese Einstellungen nicht mehr vorgenommen und muss mir diese wieder in Erinnerung rufen, schau ich einfach nach.

Positives für das Bloggen

Fragen über FragenFür Beiträge über Tipps und Tricks und meine Tutorials finde ich es unheimlich wichtig, verständliche Erklärungen mit möglichst wenigen Fremdwörtern zu wählen. Ich muss davon ausgehen, dass Leser nicht DAS Fachwissen besitzen, sonst würden sie ja auch nicht per Google-Suche mit Fragestellungen und bestimmten Begriffen auf meine Seite stoßen, die darauf abzielen, sich Informationen einzuholen.

Weiterhin finde ich unerlässlich, weitestgehend lückenlos die Abläufe zu beschreiben. Ich stelle mir immer ein wenig ein Baukastensystem vor: Baustein für Baustein baut sich ein Beitrag auf. Ein Haus besteht schließlich auch nicht nur aus Kellergeschoss und Dach.

Dieses versuche ich mir immer in das Bewusstsein zu rufen, wenn ich – wie bereits im 2. Absatz angedeutet – mich mit Kundschaft unterhalte. Und meine Kollegen machen mir recht schnell klar, dass es ihnen überhaupt nichts bringt, wenn ich etwas erkläre und meine Sätze mit Computer-Fachbegriffen schmücke.


Mich würde unheimlich interessieren, ob ihr ähnliche Erkenntnisse gesammelt habt. Zumal viele Blogger aus technischen oder handwerklichen Berufszweigen stammen und sich eventuell nicht ständig mit Schreibkram befassen müssen. Konntet ihr auch feststellen, dass ihr beruflich von der Bloggerei profitiert und umgekehrt der Blog von Eurem Job?

Die Autorin:

Sylvi

Meine Beiträge beinhalten eigene Erfahrungen, sei es über Soft- und Hardware, Social Media und die ich als WordPress-Bloggerin und Joomlanerin gesammelt habe. Zudem widme ich mich dem schönen Hobby "Fotografie".

17 Kommentare

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  • Bei mir profitiert der Blog von der Arbeit. Manchmal bring ich Themen mit denen ich mich gar nicht intensiv beschäftigen würde. Wenn ich die Themen auf Arbeit höre denke ich das könntest du zu Papier bringen. Dann befasse ich mich näher damit und schau an man hat das Wissen und teilt es dann per Blog mit.

    Aber auch der Blog hat was gutes auf Arbeit. Die Fehlerteufel beobachte ich seit dem auf Arbeit mehr. Ich finde bei mir im Blog immer wieder dutzende. smilie

    • Hallo Daniel,

      mir geht es auch oft so. Mittlerweile überlege ich bei vielen Dingen, die mir auf der Arbeit oder auch in meiner Freizeit begegnen, ob das nicht ein Beitrag wert wäre. Ist schon fast eine kleine „Bloggerkrankheit“ smilie

      Lieben Gruß
      Sylvi

  • “Erstelle doch ein kleines Tutorial für meine Kollegen”

    Bei diesem Satz musste ich doch lachen. Das ist soooo typisch Sylvi. Wenn es irgendwo ein Problem gibt -> Sylvi schreibt ein Tutorial smilie

    Aber jetzt mal im Ernst. Du machst das wirklich gut. Wenn ich deine Tutorials hier sehe, denke ich mal dass deine beruflichen Tutorials genauso gut sind.

    • Hallo Cujo,

      jetzt musste ich aber auch lachen. Ist mir gar nicht so bewusst gewesen, dass das schon ne Macke von mir ist smilie
      Und ich freue mich total über Dein Kompliment. Meine Kollegen haben sich auch bisher noch nicht beschwert smilie Das Wort, bei dem dann doch einige kurz stutzten, war das Wort „Tutorial“ – siehste, so kanns gehen, wenn man sich ständig damit beschäftigt. War mir wirklich nicht bewusst, dass es sich dabei nicht um einen gängigen und alltagstauglichen Begriff handelt.

      Lieben Gruß
      Sylvi

  • Ich denke das ist sehr gebräuchlich zumindest bei jemanden der mal mit einem PC gearbeitet hat! Ich sag nur „gebrauchsanleitung photoshop“ Ungefähr 855.000 Ergebnisse, und „tutorial photoshop“ Ungefähr 144.000.000 Ergebnisse bei der Suchmaschine der Suchmaschinen. Ich wüsste nicht was ich anderes eingeben sollte! Tutorial ist für manch einen und die vielen anderen scheinbar doch gebräuchlich! smilie

  • Also ich komme aus dem Handwerk. Natürlich kann man hier nicht immer Verbindungen knüpfen. Doch nun wurde jemand z.B. auf mich aufmerksam und wurde zu meinem Beruf befragt und dieser Text wird bald auch in einer Berufsinformationsmappe erscheinen.

    Ich würde also durchaus sagen, dass der Blog bzw. die damit verbundenen Social Networks mich beruflich weiter bringen.

  • @Daniel

    Für unsereiner ist der Begriff „Tutorial“ gebräuchlich, aber für einen Großteil meiner Kollegen eben nicht – Suchmaschinen hin, Suchmaschinen her smilie
    Letztendlich ergab sich der Sinn ja aus dem E-Mail-Inhalt.

    Hej DanielB

    das klingt ja super smilie Dann wünsche ich Dir über diesen Weg weiterhin einen tollen beruflichen Erfolg.

    Gruß
    Sylvi

  • Interessant, was Du schreibst. Für meinen Teil gilt folgendes: Der Schreibstil hat sich sicherlich verbessert, dadurch profitiert natürlich auch der berufliche Alltag.
    Was mich aber brennend interessieren würde, wieviel Arbeitszeit der einzelne Blogger dem Arbeitgeber „klaut“, weil er ab und an „privat“ arbeitet.
    Bestimmt ein gutes Thema für einen separaten Artikel.

    • Hallo Peter,

      ich meine auch, dass mein Schreibstil flüssiger geworden ist. Allerdings habe ich immer noch ein Problem mit sogenannten Füllwörtern wie „auch“, „mal“, „noch“ usw. Daher ist immer noch Korrekturlesen bei mir Pflicht und manchmal verdrehe ich dabei innerlich die Augen smilie Liegt aber auch daran, dass ich erst einmal drauf losschreibe, um die Gedanke im Kopf loszuwerden und ja nichts zu vergessen.

      Ich glaube schon, dass der ein oder andere Arbeitnehmer hin und wieder im Büro zumindest „vorarbeitet“. Mir kommen dort auch gelegentlich die Ideen, worüber ich schreiben möchte und mache mir dann eine kurze Notiz. Die Idee mit dem Artikel finde ich gut, bezweifle aber, dass sich Blogger outen und zugeben werden, dass sie auf Kosten ihres Arbeitgebers bloggen smilie Der Schuss könnte nach hinten losgehen.

      Lieben Gruß
      Sylvi

  • Hi Sylvi!
    Das ist ja mal ein seltenes und interessantes Thema!
    Als gelernter Energieelektroniker ist das Schreiben zwar weniger wichtig, aber mein letzter Kurs voriges Jahr hat mir gezeigt, wie sehr Computer und vor allem Kommunikationselektronik in meinem Beruf Einzug gehalten haben. Da hat sich in den 20 Jahren seit meiner Ausbildung doch sehr viel getan!
    Mit dem Bloggen richtig angefangen habe ich eh erst im Dezember 2010, seit dem bin ich nämlich leider Hartz-IV-Empfänger! smilie Die Artikel zuvor waren ja nicht gerade das Wahre und nur ein Versuch bei blogger.com und Live-Space.
    Wenn ich mir so meinen ersten richtigen Artikel ansehe finde ich mal, daß sich da eigentlich nichts an meiner Schreibweise oder so verändert hat. Ich nehme aber schwer an, daß das auch viel mit dem entsprechenden Thema zu tun hat. Einzig die Recherche geht schneller, da ich eben immer besser mit den Suchmaschinen umgehen kann!
    Nützlich für meinen Beruf wäre das alles aber höchstens, wenn ich bei einem Verkaufsgespräch oder einer Projektplanung mitmachen müßte. Dort könnte ich mir vorstellen, daß mir meine „Arbeit“ als Blogger schon nützlich sein könnte. Besser gesagt bin ich mir dessen sogar absolut sicher, da ich sowas schon für ein Messemodell als rechte Hand des Projektleiters gemacht habe!
    Wenn ich mir aber vor allem meine Artikel über die Politik hier in Deutschland ansehe glaube ich nicht, daß das wirklich gut für einen Job kommt! smilie
    So, jetzt mach ich Schluß hier. Meine Kommentare werden ja langsam aber sicher fast so lang wie meine Artikel! smilie
    Grüße aus dem nächtlichen Augsburg
    Mike, TmoWizard Mein Zaubersmilie

    • Hallo Mike,

      och tu Dir keinen Zwang an *grins*. Ich freue mich total, dass Du Dich so mit meinen Beiträgen auseinander gesetzt hastsmilie

      Ich denke, dass die Bloggerei gerade für diejenigen von Vorteil ist, die nur gelegentlich längere Texte in ihrem Job schreiben müssen. Die, die es eh jeden Tag mehrfach tun, sind da wohl von Haus aus geübt. Ich schreibe zwar beruflich sehr viel, aber in einem ganz anderen Stil. Ich meine, dass es meinen Horizont erweitert.
      Schön finde ich auch, dass ich mir die Freiheit nehmen kann, Beiträge in meinen beiden Blogs recht unterschiedlich zu gestalten – mal eher sachlich, mal umgangssprachlich und auch mal gefühlvoll.
      Vorteilhaft ist das Bloggen gerade dann, wenn man keinen „Schreibberuf“ ausübt und eher handwerklich tätig ist, um vielleicht brachliegende Schreibfertigkeiten aufzufrischen.
      Ich halte mich übrigens bei politischen Themen auch von Berufs wegen zurück smilie.

      Lieben Gruß
      Sylvi

  • Eigentlich wären Unternehmen gut daran beraten, sich nach solchen Hobby-Bloggern wie dir in den eigenen Reihen umzuschauen.

    Ein gut geführter Corporate Blog kann Gold wert sein für eine Firma, leider wird dieses Thema bei vielen aber nur halbherzig oder mehr schlecht als recht umgesetzt.

    Ich habe sehr von meinem Hobby Bloggen profitiert, in allen Bereichen, bis es selbst sogar zu meinem Beruf wurde smilie

    • Hallo Michael,

      danke für Deinen Kommentar. Ich denke, Du hast vollkommen recht und habe mich auch bereits gefragt, warum einige Unternehmen nicht einen Blog führen. Passt nicht unbedingt in jeden Bereich, vielleicht sind aber auch viele Führungskräfte zu konservativ, um sich dem Medium „Blog“ zu öffnen.
      Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht Ängste bezüglich des Rufes für das jeweilige Unternehmen bestehen. Über welche Themen soll überhaupt geschrieben werden? Welcher Schreibstil kommt bei Lesern und letztendlich Kunden an?

      Na, das nenne ich mal eine 100%ige profitable Umsetzung bei Dir smilie

      Gruß Sylvi

  • smilie Ich denke wie um eine Homepage wird auch jedes auch noch so kleine Unternehmen in Zukunft kaum um eine Art Blog herumkommen.

    Das ist nicht zynisch gemeint: Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass selbst irgendwann Bestattungsunternehmen eine eigene Homepage haben? Wieso sollte ein solches nicht – um am Beispiel zu bleiben – über den Umgang mit Trauer und Tod „bloggen“?

    Ich glaube es eignet sich eigentlich für alle Themen..

    • Ja meinst Du, dass ein Blog für jedes kleine Unternehmen angebracht ist? Vielleicht sollte ich mich beruflich noch einmal umorientieren smilie

      Aber ich finde es sehr mutig und klasse, den Schritt zu wagen und als Bestattungsunternehmen einen Blog zu betreiben. Gerade das Thema „Tod“ ist immer noch sehr tabuisiert. Hilft daher mit Sicherheit, sich etwa „unverkrampfter“ damit auseinander zu setzen – gerade im Vorfeld, wenn man selber noch nicht direkt damit konfrontiert ist.

      Ja die Themenvielfalt ist wirklich enorm und ich finde es total spannend, worüber gebloggt wird. Ich lese auch gerne Beiträge über Themen, die in meinen beiden Blogs nicht behandelt werden.

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