Sportfotografie – optionales Genre für mich?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Eigentlich wollte ich mich am Wochenende fotografisch auf Pilzpirsch begeben. Meine bessere Hälfte hingegen hatte sich für den Sonntag mit einem Kumpel zum Fußball verabredet und fragte mich, ob ich nicht mal Lust hätte, bei dem Sportereignis zu fotografieren.

„Ach nee, dann gehe ich eben allein in den Wald.“ Fußball ist nicht so meins. Aber dann überlegte ich, dass das Fotografieren eines Fußballspiels meinen Horizont erweitern würde und entschied mich spontan dazu, die beiden Herrschaften zu begleiten.

Unser Weg führte in das Hembergstadion, wo der FC Iserlohn gegen den FC Lennestadt antrat. Dort ging es sehr familiär zu. Kein Gedrängel am Eingang, überschaubare Tribünen und ein persönlicher Gruß vom Iserlohner Trainer. Man kennt sich ….  außer mich natürlich.
Richtig nett fand ich es von meinen beiden Begleitern, dass sie mich fragten, von wo aus es für mich am günstigsten sei zu fotografieren.

Die Positionierung

Ich entschied mich gegen die sonnige Stehtribüne, da das Gegenlicht der herbstlich tiefstehenden Sonne von dort aus zu extrem gewesen wäre.
Also begaben wir uns zur überdachten Sitztribüne – relativ mittig an der Längsseite des Fußballplatzes gelegen. Optimal waren die Lichtbedingungen dort zwar auch nicht, weil die Tribüne einen recht großen Schatten auf den Rasen warf, der sich im Verlauf des Spiels immer mehr über den Platz ausbreitete.

Hügelige Sitztribüne im Sauerland

Egal … Augen zu und durch, schließlich bin ich ja keine Sportjournalistin – sonst hätte ich mich wohl eher hinter einem der Tore platziert. Da stand allerdings schon eine Fotografin. Ich war aber „nur“ fotografierende Zuschauerin oder zuschauende Fotografin. Apropos Sitztribüne – die war glatt eine Aufnahme wert. smilie

Die Kameraeinstellung

Immer schön Dribbeln

Nach Ablichten des Tribünenbereiches und meiner Begleiter inmitten dieses markanten Ambientes tauschte ich das 28-75er Tamron gegen das 70-300er.

Ich entschied mich für eine Verschlusszeit von 1/800 sec., niedrigste Blende je nach Brennweite und automatischem ISO. Nach den ersten Bildkontrollen beschloss ich diese Einstellungen beizubehalten.

 

Schiedsrichter in Action

Nun gibt es ja an der Sony 77II so dolle Fokuseinstellungen. Den Fokus hatte ich auf Nachführ-AF (auch Continuous Fokus genannt) und flexiblen Spot eingestellt. Damit bin ich bei dem Hundetraining-Shooting am besten gefahren. Die Sony bietet mir unter anderem noch einen erweiterten flexiblen Spot.

 

KopfballIch habe es ausprobiert, aber entweder bin ich zu doof für diese ausgetüftelten Hightech-Funktionen oder sie sind eben doch nicht DIE ultimativen Mittel für meinen Anspruch bei der Sportfotografie. Schließlich möchte ich auch hierbei das Gesicht des Sportlers und nicht dessen Knie scharf haben – es sei denn ich möchte das Knie aus einem ganz besonderen Grund hervorheben.

 

Tor verhindertAuf Kommissar Zufall möchte ich mich nicht verlassen. Bei der anschließenden Sichtung der Bilder am Computer hatte ich den Eindruck,  letztendlich die richtige Wahl getroffen zu haben. Der Ausschuss an Bildmaterial der anfangs geschossenen Fotos durch Herumprobiererei mit dem erweiterten flexiblen Fokus war schon recht hoch.

Also bin ich wieder zurückgekehrt zu meinem einzelnen Fokuspunkt … mal mittig, leicht seitlich, je nach Situation oder Laufrichtung. Und natürlich musste der Serienbildmodus herhalten, den ich mit 12 Bildern in der Sekunde und ordentlichem Buffer an der Sony liebe.

90-Minuten-lange actiongeladene Übung

Schnapp Dir den Ball!Während des Fußballspiels habe ich mich nicht getraut, die Kamera beiseite zu legen und hielt sie immer im Anschlag. Zu groß war die Sorge, DEN großen Moment zu verpassen. Und die gab es zur Genüge. 9 Tore sind gefallen, zusätzlich einige Torschussversuche, Elfmeter und auch das eine oder andere Foul.

 

Flanke und ....Nun könnte man meinen, dass dabei zahlreiche tolle Fotos entstehen müssten.

Pustekuchen. Während eines Torangriffs hatte ich mehrfach den durchstartenden Spieler im Fokus, der flankte oder passte auf einen anderen, also wieder schnell neu fokussieren – super! Ich hab‘ ihn! Und zack … springt ein weiterer Spieler zwischen fokussiertem Torschützen und Kamera. smilie

 

... Tor!Eine weitere Schwierigkeit war für mich, den Ballfluss immer im Blick zu haben, wenn ich ein ansprechendes Motiv stark herangezoomt hatte.  Wenn Spieler mit Ball in meine Richtung liefen, klappte das noch ganz gut. Aber wehe sie schlugen Haken, drehten sich, liefen parallel Richtung Tor und schossen den Ball zu einem anderen Spieler.

 

Drei gegen einenIm Eifer des Gefechts bekam ich nur mal die Rückennummer auf’s Bild. Die Lichtverhältnisse wurden mit fortschreitender Stunde auch nicht besser.

 

Fazit

Ich traue mich gar nicht zu sagen, mit wie vielen Fotos ich nach Hause gekommen bin (knapp 800 *flüster*).

DuellSportfotografie insbesondere bei einem Fußballspiel wird nicht mein Steckenpferd werden, aber komplett verbannen würde ich sie nicht. Falls ich noch einmal die Gelegenheit haben sollte, würde ich versuchen, situationsbezogener zu fotografieren und auch mal die Kamera ruhen lassen.

Man muss ein gewisses Gespür dafür entwickeln, wann es sich lohnt, die Kamera hochzureißen. Aber auch mal sagen „Das wird eh nix.“ Und selbst bei gut überlegtem Kameraeinsatz kann es immer wieder passieren, dass ein Spieler in die Schusslinie springt. Das ist eben Sport. smilie


3 Kommentare

Kommentare hinzufügen
  • Hallo Sylvis,
    ich habe mich auch schon ein paar mal versucht beim Fußball Fotos zu machen.

    Beim Aufwärmen des Torwarts macht der dann oftmals so Hechtsprünge. Da ist es voll cool wenn man den dann genau in der Luft erwischt. Ich habe leider nur eine kleine Canon Kompaktkamera die aber einen 20er Zoom hat.
    Wenn es richtig hell ist dann klappt es auch mit den Schnappschüssen des fliegenden Torwarts.

    Ich muss mal suchen ob ich da noch Fotos finde die ich auch mal in meinem Blog posten könnte.

    Liebe Grüße
    Lothar

  • Hi,
    ein wirklich cooler Beitrag. Da ich demnächst mal das Fotografieren im Sport ausprobieren möchte, fand ich deine Erfahrungen und Tipps sehr hilfreich. Wirklich toll erzählt und erklärt! Ich kenne mich im Bereich „normale“ Fotografie ziemlich gut aus und will jetzt mal was neues ausprobieren.
    [editiert]
    Mit freundlichen Grüßen
    Chris

  • Super Artikel, ich liebe Sportfotografie und finde mich in deinem Artikel einfach wieder!
    Dabei habe ich von dir noch einige Tricks aufgreifen können Weiter so!

    Grüße
    Bernd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst diese HTML-tags und attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code class="" title="" data-url=""> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> <pre class="" title="" data-url=""> <span class="" title="" data-url="">

Du hast 15 Minuten Zeit, um Deinen Kommentar nachträglich zu korrigieren.

Copyright © Sylvis Blog • 2017. Alle Rechte vorbehalten. •   Impressum   •    Datenschutzerklärung

%d Bloggern gefällt das: