Sind Ultraweitwinkelobjektive Autofokus-Diven?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

Am letzten Wochenende konnte ich sehr günstig das Sigma EX 10-20 mm F/3.5 HSM IF ASP DC Objektiv für Sony erwerben. Ein Weitwinkelobjektiv zählte zu meinen letzten Objektivwünschen, daher hatte ich es auf die Wunschliste bei Amazon gesetzt.
Preismäßig kam ein Kauf vorerst nicht in Frage – und schon gar nicht bei Amazon, wo der Preis ca. 50 Euro über dem Durchschnittspreis anderer Anbieter lag.

Als es dann sogar noch für 180 Euro unter dem Amazonpreis bei eBay angeboten wurde, habe ich zugeschlagen. Es kam an und ich war begeistert. Es sah aus wie neu und wurde sogar im Originalkarton geliefert. Der Objektivköcher fehlte, der meines Wissens bei Neukauf mitgeliefert wird. Vermutlich werde ich ihn nicht vermissen.

Erste Enttäuschung

Ich habe es inspiziert und anschließend Probeaufnahmen gemacht. Etwas enttäuscht war ich von dem Autofokus. Er reagierte nicht immer auf den anfokussierten Punkt. Ich versuchte, das Objektiv durch Aus- und Wiedereinschalten der Kamera auszutricksen.

Hin und wieder klappte es ja mit dem Fokussieren. Ich bin beispielsweise von dem Tamron 28-75er anderes gewöhnt – wenn nicht gar verwöhnt. Das ist mein absolutes Lieblingsobjektiv und mit ihm ist ein blitzschnelles Fokussieren – sowohl mit der Sony Alpha 58 als auch mit der 77 II – möglich. Bei dem Schnelltest hatte ich den Eindruck, dass meine anderen Objektive, zu denen auch das Sigma Reisezoom 18-250 zählt, nicht derart herumzicken.

Auf der Suche nach Leidensgenossen

Recherchen quer durch das Web ergaben, dass dieses Objektiv wohl teils immense Fokus-Probleme bereitet. Das reicht vom fast nicht vorhandenen Autofokus bis hin zur fehlenden Schärfe. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, Sigma zwecks Justierung zu kontaktieren. In der Diskussion um diese Problematik lenkte ein Forumsmitglied ein, dass Ultraweitwinkelobjektive Autofokusdiven seien.

Nun wollte ich es genauer wissen. Fakt ist, die Lichtverhältnisse waren am ersten Abend nicht optimal und durch fehlende Kontraste versagte der Autofokus häufig. Durch die Entfernung wirkten die angepeilten Punkte sehr winzig. Ich gebe zu, ich habe es ziemlich ausgereizt. ;-)

Dann habe ich mit ihm manuell fokussiert und konnte mich über mangelnde Schärfe auf dem ersten Blick nicht beklagen.

Improvisierter Detailtest

Am nächsten Tag wollte ich es genauer wissen und habe Aufnahmen auf dem Stativ mit Weitwinkelobjektiv und Reiseobjektiv bei gleichen Brennweiten-, Blenden- und Verschlusszeiteneinstellungen gemacht und miteinander verglichen. Das Stativ hat sich bei dem Objektivwechsel minimal bewegt, so kam ein nicht 100%ig identischer Bildausschnitt zustande.

Es handelt sich um einen nicht repräsentativen Test. Die anschließende weboptimierte Bearbeitung reduziert die Schärfe etwas. Ich wollte wissen, ob mein Neukauf ein grundsätzliches Schärfeproblem hat.

Die Fotos – bei denen keine Probleme mit dem Autofokus auftraten – habe ich in Lightroom zu ca. 1:1 und 1:1,5 freigestellt. Hier sind die Testfotos:

  • Bild 1 Sigma Weitwinkel, f 3.5, 2 sec. - 18 mmSigma 10-20, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite
  • Bild 1 Sigma Reisezoom, f 3.5, 2 sec., 18 mmSigma 18-250, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite
  • Bild 2 Sigma Weitwinkel, f 3.5, 2 sec., 18 mm – ca. 1:1Sigma 10-20, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite, ca. 1:1
  • Bild 2 Sigma Reisezoom, f 3.5, 2 sec., 18 mm - ca. 1:1Sigma 18-250, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite, ca. 1:1
  • Bild 3 Sigma Weitwinkel, f 3.5, 2 sec., 18 mm – ca. 1:1,5Sigma 10-20, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite, ca. 1:1,5
  • Bild 3 Sigma Reisezoom, f 3.5, 2 sec., 18 mm – ca. 1:1,5Sigma 18-250, Blende 3.5, 2 Sekunden, 18 mm Brennweite, ca. 1:1,5

Mein persönliches Fazit

Erst einmal bin ich erstaunt, wie positiv in puncto Schärfe das als „Scherbe“ verpönte Sigma-Reisezoom bei diesem Test abgeschnitten hat. Das Weitwinkelobjektiv kann einen Tacken drauflegen. Im Gegenzug schattet es bei einer Brennweite von 18 an den Rändern stärker ab als das Reisezoom (Stichwort: Vignettierung).

Ich war beruhigt, dass das Objektiv nicht fehlerhaft ist, wie von anderen Verwendern geschildert. Sony-Kameras sind im gleichen Maße betroffen, wie Canon- und Nikon-Kameras. Der Vorbesitzer hat es – so vermute ich – mit der Sony 77 II verwendet, da er sie zeitgleich bei eBay anbot.

An den nächsten Tagen sah die Welt auch schon gleich besser aus und ich konnte mich nicht über einen mangelnden Autofokus beklagen. Ein einziges Mal funktionierte dessen Aktivierung nicht, als ich auf ihn vom manuellen Fokus gewechselt habe.

Meine Meinung ist: ein Ultraweitwinkel ist ein besonderes, nicht einfaches aber superspannendes Objektiv, mit dem ich ausgiebig üben muss.

Frage an die erfahrenen Weitwinkel-Fotografen: Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Autofokus bei diesen Objektiven? Sind sie diesbezüglich tatsächlich „Diven“? Mit welchen Problemen wurdet ihr konfrontiert? Was muss ich bei der Verwendung beachten?


Die Autorin:

Sylvi

Meine Beiträge beinhalten eigene Erfahrungen, sei es über Soft- und Hardware, Social Media und die ich als WordPress-Bloggerin und Joomlanerin gesammelt habe. Zudem widme ich mich dem schönen Hobby "Fotografie".

2 Kommentare

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  • Toller Beitrag, Sylvi!

    So weitwinklig bin ich nicht unterwegs. Mein „Brot- und Butterobjektiv“ ist das Sony SAL 16-105. Da habe ich bei 16 mm Brennweite noch keine nennenswerten Schwächen beim Autofocus feststellen können.

    Liebe Grüße,
    Pauli

    • Hej Pauli,

      vielen lieben Dank. :-D
      Bisher hatten mir die 18 mm an dem Reisezoom für Landschaftsaufnahmen auch ausgereicht und ich war superzufrieden mit ihm. Aber es hat mich einfach gereizt, mich an dem UWW zu versuchen. Und als es dann für 319 Euro verkauft wurde, konnte ich einfach nicht „Nein“ sagen. :-) Mal schau’n, wie oft es überhaupt zum Einsatz kommt und wie es sich dann in Sachen Autofokus bewährt.
      Lach … „Brot und Butterobjektiv“ … schöne Bezeichnung. :mrgreen:

      Lieben Gruß
      Sylvi

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