Ich bin geschockt: Ist mein Lieblingsobjektiv eine Scherbe?

Sony 77 II mit Tamron 28-75
Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

In meinem Beitrag Mein Lieblingsobjektiv berichtete ich über meinen Glückskauf des Tamron AF 28-75mm (2,8 XR DI LD ASL SP Macro). Mittlerweile ist bei mir dann doch Ernüchterung eingetreten. Ich bin fast ein wenig erschrocken, wie unscharf das Objektiv ist. Nur warum ist mir das nicht schon viel eher aufgefallen?

Der Auslöser

Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin des Tamron SP 70-200mm F/2.8 Di USD A009S. Zugegebenermaßen war es nicht ganz preiswert. Aber ich habe den Kauf nicht bereut, denn es war schon bei sämtlichen Zoobesuchen im Einsatz und es besticht durch seine Schärfe auch mit offener Blende und tollem Bokeh. Da ich es schon eine Weile besitze, hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, dass ich wohl anfangs Probleme hatte, den Fokus richtig zu setzen.

Als ich am letzten Wochenende den Wildpark Bad Mergentheim besuchte, wurde das mir aber schmerzlich bewusst. Irgendein Teufel hatte mich geritten und ich hatte in einem Anflug geistiger Übernachtung sämtliche AF-Mikroeinstellungen bei meiner Sony 77 II zurückgesetzt. In diesen Einstellungen ist es möglich, einen Back- oder Frontfokus insbesondere bei Fremdobjektiven auszugleichen. Mir hatte dieser Foren-Beitrag unheimlich geholfen und so saß bei meinen Zoobesuchen der Fokus nach meinem Empfinden supergut.

Der Fokus saß einfach nicht mehr

Es fing schon bei den Steinböcken an – Auge anfokussiert und … nix, er packte einfach nicht. Der Hintergrund war schön scharf, der Steinbock lag in der Unschärfe. So zog sich das den ganzen Besuch durch. Mir schwante, dass ich wohl einen Fehler begangen hatte und versuchte die AF-Mikroeinstellungen zu verändern. Aber in welche Richtung? Eher in den Minus- oder Plus-Bereich? Welcher Wert war der Richtige?

Es half nix, ich habe tatsächlich größtenteils manuell fokussiert, um wenigstens ein paar halbwegs scharfe Bilder zu bekommen. Zuhause habe ich mir den Forenbeitrag noch einmal herausgesucht und mit dem angegebenen Wert von – 16 war die Welt auch wieder in Ordnung.

Nun wollte ich es wissen

Ich hatte im Internet recherchiert, mit welcher Messmethode ich an meinen Objektiven einen Back- oder Frontfokus feststellen kann und bin auf diesen Beitrag bei Pixelsucht gestoßen. Ich habe mir tatsächlich diese Skala ausgedruckt, den Ausdruck zusammengebastelt und den Test mit meinem Tamron 28-75er Objektiv durchgeführt. Aber was ist das?! Egal was ich anstellte, den kleinen Vogel fokussierte und anschließend die Mikroeinstellungen veränderte – die Schärfe lag immer am unteren Rand der Skala.

Mag sein, dass ich diesen Test nicht ganz korrekt durchgeführt habe, aber das Licht stimmte, die Kamera befand sich auf dem Stativ, den Kabelauslöser habe ich verwendet und den Stabi ausgestellt. Das Ergebnis war enttäuschend.

Lag es am Objektiv oder vielleicht sogar an der Kamera?

Test an einem ganz normalen Motiv

Da ich mit dem „Skala“-Test nicht so ganz zurecht kam, habe ich die Schärfe an meiner Bastelschere getestet – mit verschiedenen Kameras und Objektiven und frei Hand aber aufgestützt. Fokussiert habe ich die Schraube. Zur Beurteilung, wo der Fokus sitzt, habe ich noch das Lightroom-Plugin Show Fokus Points zur Hilfe genommen.

Hier sind die Ergebnisse:

Sony Alpha 77 II mit dem Tamron AF 28-75mm

So sah das Bild mit dieser Kombi aus:

Sony 77 II mit Tamron 28-75 bei Blende 2.8

ILCA-77M2 f/2.8 1/90sec ISO-800 28mm

Ihr seht, die Schärfe liegt eher hinten auf der Serviette.

Und so saß der Fokus:

Ergebnis Show Fokus Points Sony 77 II mit Tamron 28-75

Ergebnis Show Fokus Points Sony 77 II mit Tamron 28-75

Nun könnte man meinen, ich bräuchte nur die AF-Mikroeinstellungen verändern – was ich auch mit verschiedenen Werten getan habe – aber das brachte überhaupt nichts. Die (Un-)Schärfe blieb auf der Schraube, egal welchen Wert ich verwendet habe.

Sony Alpha 6000 mit dem Sony-Objektiv E PZ 18-105mm F4 G OSS

Gut, vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair, weil ich nun mit Blende 4 fotografieren musste. Da aber die Naheinstellgrenze dieses Objektivs nicht ganz so dolle wie bei dem Tamron ist, musste ich die Kamera von dem Motiv weiter entfernt halten.

Hier das Foto dieser Kombi:

Sony 6000 mit E PZ 18-105mm F4 G OSS

ILCE-6000 f/4 1/60sec ISO-1250 40mm

Leider funktioniert das Lightroom-Plugin Show Fokus Points nicht für diese Kamera:

Fokuspunkt wird für Sony 6000 nicht angezeigt

Fokuspunkt wird für Sony 6000 nicht angezeigt

Aber ich denke, es ist eindeutig zu erkennen, dass der Fokus und die Schärfe sitzt.

Und dann noch mein letzter Test und zwar mit der Kombi

Sony Alpha 77 II mit dem Sony DT 50 mm 1.8 SAM

Dieses Objektiv habe ich vor einigen Jahre gebraucht für 120 Euro bei reBuy erstanden. Zugegebenermaßen saß selbst bei dem Sony-Objektiv der Fokus anfangs nicht, selbst dann nicht, als ich auf Blende 4 abgeblendet habe. Hier habe ich die AF-Mikroeinstellungen auf +5 angepasst und dann saß er selbst bei Blende 1.8:

 

Sony 77 II mit dem Sony DT 50 mm 1.8 SAM – f4

ILCA-77M2 f/4 1/45sec ISO-1250 50mm

Der Fokus sitzt hier noch nicht richtig:

Fokuspunkt Sony 77 II mit Sony 50er mm f 4 vor der Anpassung

Fokuspunkt Sony 77 II mit Sony 50er mm f 4 vor der Anpassung

Nun passt es selbst bei Blende 1.8:

Sony 77 II mit Sony 50 mm f1.8

ILCA-77M2 f/1.8 1/45sec ISO-640 50mm

Fokuspunkt Sony 77 II Sony 50 mm f1.8

Fokuspunkt Sony 77 II Sony 50 mm f1.8 nach Anpassung

Diese Versuchsreiche ist bestimmt nicht repräsentativ und die Lichtbedigungen waren auch nicht optimal, wie ihr an den hohen ISO-Werten erkennt.

Ich bin kein Pixelpeeper, aber eine derartige Unschärfe fällt selbst mir auf. Nun gilt es heraus zu finden, woran das liegen könnte und warum es mir vorher nicht schon aufgefallen ist. Ich werde mir ältere Fotos noch einmal genauer anschauen.
Heruntergefallen ist mir das Objektiv nicht und Verschmutzungen konnte ich auch nicht feststellen.

Naja, aber es würde ein wenig erklären, warum ich so begeistert von der Schärfe der Kombi Sony 6000 und dem 18-105er und der Lumx GX 80 bin – ich bin’s einfach nicht gewohnt. smilie

Die Autorin:

Sylvi

Meine Beiträge beinhalten eigene Erfahrungen über Soft- und Hardware, Social Media und die ich als WordPress-Bloggerin und Joomlanerin gesammelt habe. Zudem widme ich mich dem schönen Hobby "Fotografie".

4 Kommentare

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  • Ich weiß nicht, ob das mit einem perspektivischen Motiv so das Wahre ist, denn normalerweise muss ein planes und parallel zur Bildebene verwendetes Motiv zur Beurteilung herangezogen werden:
    Zitat: „Das Testobjekt darf in keinem Winkel zu der Kamera stehen, sondern muss plan sein und parallel zur Ebene des Bildsensors ausgerichtet sein.“ – Zitat Ende aus https://fotoschule.fotocommunity.de/objektive-justieren-grundlagen/

    Auch der Traumflieger hat das hier

    beschrieben.

    • Hallo Birgit,

      danke für den Hinweis und womöglich hast Du recht. Was mich allerdings etwas irritiert, Pixelsucht verweist ja auf den Fokusdetektor von Traumflieger. Diesen habe ich dann ich auch nach Anleitung zusammengebastelt und wie man in Traumfliegers Beitrag zu dem Detektor sieht, verläuft darauf die Skala auch nicht plan sondern schräg nach oben. Da frage ich mich, was ist denn nun die aussagekräftigere Methode?
      Ich habe ja im Beitrag geschrieben, dass mein verzweifelter Scheren-Test nicht repräsentativ ist und doch ist zu erkennen, dass der Fokus auf der Schraube mit eingestellten AF-Mikroeinstellungen getroffen hat und sie scharf abgebildet ist.
      Trotz alledem – ich gebe das Objektiv jetzt nicht in den Schrott und werde es weiterhin testen.

      Gruß
      Sylvi

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