Ein Gruppenbild auf die Schnelle oder der Sprung in unbekannte Gewässer

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Ein Gruppenbild musste her und das möglichst kurzfristig. Ich wurde gefragt, ob ich bereit wäre, anlässlich des Abschieds einer Kollegin zu fotografieren. Auweia, ich hatte sowas noch nie gemacht. Aber die Kollegin hat diese spontane Idee und ich wollte sie nicht hängen lassen. „Du fotografierst doch und von uns kann das niemand“.

Da konnte ich einfach nicht Nein sagen. Problem war nur, die Anfrage kam am Montag, das Foto konnte erst am Donnerstag gemacht werden und musste am selben Tag ausgedruckt vorliegen, die Örtlichkeit – ein Besprechungsraum – ist grausam und ich wusste, dass ich wohl einen Blitz einsetzen musste.

Der Blitz: das (noch) relativ unbekannte Wesen für mich

Eigentlich bin ich eher der Available-Light-Knipser. Ich mag nicht so sehr das große Equipment und allenfalls nehme ich mal ein Stativ mit.

Yongnuo Speedlite YN560 IVNun hatte ich mir zwar mal einen Blitz zugelegt, den ich recht kurzfristig durch einen Sturz geschreddert hatte. Kurz darauf habe ich mir dann aber das gleiche Modell noch einmal geleistet. Dabei handelt es sich um den Yongnuo Speedlite YN560 IV.

Yongnuo YN560-TX FunkauslöserZeitgleich habe ich mir den Yongnuo YN560-TX Fernauslöser gegönnt und mit dieser Ausrüstung bereits zusammen mit der Sony Alpha 58 und anschließend Alpha 77 II herumexperimentiert.

Damit wurde bereits meine Familie zu Weihnachten malträtiert und das entfesselte Blitzen klappte für meinen Anspruch schon relativ gut.

Zusätzlich habe ich mir damals einen Durchlichtschirm mit Ständer für wenig Geld zugelegt. Ich sage dazu immer „Arme-Leute-Licht-Setup“. Aber da ich mich nicht auf Portraitfotografie spezialisieren möchte, reicht mir das bisher aus. Nun kann ich aber immer noch nicht von mir behaupten, dass ich der Blitzexperte bin.

Probelauf zu Hause

Test Licht-SetupNoch am Montag wollte ich wissen, ob meine Ausrüstung überhaupt funktionsfähig ist (um gegebenenfalls noch absagen zu können smilie ). Natürlich waren die heimischen Probebedingungen in Sachen Licht, mangels Protagonisten und Größe der Räumlichkeit in keinster Weise mit den Bedingungen vor Ort zu vergleichen.

Dankbares TestopferAber ich ließ es mir nicht nehmen, wenigstens anzutesten, ob ich mich dem Wagnis Gruppenfotografie überhaupt stellen soll. Ähm ja … funktioniert alles soweit einwandfrei, absagen ist also nicht. Aber um einen kleinen Testlauf direkt vor Ort werde ich wohl nicht herumkommen.

Der Rucksack wurde gleich gepackt einschließlich Ersatzakkus und -batterien für Blitzgerät und Funkauslöser, Durchlichtschirm und Blitzstativ. Als Objektive packte ich das Tamron 28-75er und das Sigma 10-20er ein. Von der Sony 50er Festbrennweite habe ich mich gleich verabschiedet. Einmal wegen der räumlichen Enge und weil eine Blende von 1.8 bei Gruppenfotografie nicht unbedingt empfehlenswert ist. Ich nahm mir vor, eine Blende von 5.6 oder 6.3 zu wählen.

Die Kameraeinstellungen habe ich daher schon einmal vorab an das bevorstehende Shooting angepasst.

Probelauf vor Ort

Ich hatte mit einer Kollegin vereinbart, dass ich eine halbe Stunde vor dem Shooting den Raum betreten darf. Bis dahin wusste ich noch nicht, ob ich die Gruppe lieber im 90-Grad-Winkel zur Fensterfront positionieren und die gegenüberliegende Wand anblitzen sollte oder sie doch an die Wand auf der gegenüberliegenden Seite der Fenster stelle.

Kollegin und ich schoben also Stühle weg, entfernten einen Stadtplan von der Wand und sie war so nett und hat sich für die Testaufnahmen zur Verfügung gestellt. Die 90-Grad-Fenster-Position ist letztendlich daran gescheitert, dass der Tisch in dem Besprechungsraum sich nicht verschieben ließ. Da haben die den tatsächlich fest am Boden verschraubt!

O-Ton meiner Kollegin „Boah, das ist das erste Mal, dass ich mir auf Fotos gefalle.“ Bingo und tatsächlich gefielen sie mir auch sehr gut. Ich versprach ihr, dass ich mich ihren Fotos zu Hause in Ruhe widmen werde und sie sie bekommt. Nach und nach trudelten noch ein paar Mädels ein und wir führten das Testshooting fort. Das war so lustig! Und zumindest wir sechs waren schon einmal gut drauf.

Gruppenshooting im Schnelldurchlauf

Plötzlich strömte der Rest der Gruppe in den Raum – 15 Personen waren es dann insgesamt. Für mich war es unheimlich von Vorteil, dass ich die Kollegen und Chefs der anderen Abteilung einschließlich Oberboss kenne, teilweise schon seit etlichen Jahren und teilweise privat. Und so war die Stimmung sehr locker, man plauderte und Erstaunen über mein Lichtsetup wurde geäußert.

Ich wechselte schnell vom Tamron auf das Sigma UWW, weil ich doch mehr Weitwinkel benötigte.
Ein Vorschlag kam von der Seite, ob einige sich nicht vorne auf Stühle setzen sollen. Klar! Kann man ja  immer noch ändern. Es standen also 11 Personen leicht versetzt in 2 Reihen und 4 Mädels saßen vorne vor. Mit Blende 6.3 passte das und alle sind scharf.

Nun wollte ich den ISO nicht hochsetzen. Es herrschte tristes Novemberwetter – also schien nicht die Sonne durch das Fenster – und so setzte ich den ISO auf 400, Blende 6.3 und eigentlich hatte ich eine Belichtungszeit von 1/160 sec. vorgesehen. Später stellte ich allerdings fest, dass die Belichtung auf 1/200 sec. stand. Na egal, funktionierte auch. Nur wäre bei einer etwas längeren Belichtung der LiveView heller gewesen und ich hätte zumindest die Umrisse der Personen besser erkennen konnte. So war es schon ein wenig wie ein „Blindflug“. Gut dass mir wenigstens noch die Waage im Display anzeigt, ob ich die Kamera gerade halte. Der Fokus machte glücklicherweise nicht ganz so viele Zicken. Allerdings merkte ich an dem Sigma, dass bei der kleinsten Brennweite auch er nicht mehr so wollte wie ich.

Zwischendurch verschob ich noch den Blitz mit Durchlichtschirm, erhöhte ein wenig die Stärke an dem Funkauslöser und änderte auch noch einmal meine Position, weil ich bei der Bildkontrolle feststellte, dass die äußersten Personen durch das UWW verzerrt wurden.
Plötzlich bemerkte ich, dass durch die Glastür das Flurlicht hindurch schien und bat einen Kollegen es auszuschalten. Puh, hätte ich mich geärgert, wenn ich das erst im Nachhinein bemerkt hätte.

Endspurt

Ich spürte dass Chefin ungeduldig wurde und gerne die Fotosession beendet hätte. Aber ich machte noch 2-3 „Sicherheitsfotos“ noch einmal mit geänderter Standposition – sorry, aber jetzt war ICH Chef und ich behielt mir vor, die Aktion für beendet zu erklären. smilie

Letztendlich waren aber alle Beteiligten locker drauf und ich fand, dass es kein verkrampftes Fotoshooting war. Sachen wie „Und jetzt mal bitte Cheeeeeese.“ zu sagen wie auch Haltungsvorschriften, habe ich mir verkniffen, weil ich es doof finde. Ein bisschen Herumflachserei, mal ein „Yeah, das ist super!“ meinerseits und alles war gut.

Diese 3 Sicherheitsfotos waren diejenigen, die mir in Bildaufteilung, Licht und Mimik der Personen eigentlich am besten gefielen. Leider verzog auf ihnen eine Kollegin den Mund, so dass ich sie aussortieren musste. *grummel*

Schnell habe ich vor Ort die Bilder in Lightroom entwickelt und bearbeitet und der Kollegin Memory Card und USB-Stick mit den drei auserwählten Fotos ausgehändigt. Die ausgedruckten Fotos, die sie mir später noch zeigte, waren für meinen Geschmack zu stark beschnitten, so dass links und rechts ein Stück des Armes der außenstehenden Personen fehlte. Sie störte das wiederum nicht … mir soll’s recht sein, denn sie war eine der Außenstehenden. smilie

Ergebnis

Meine „Kunden“ waren sehr zufrieden, ich im Großen und Ganzen für das erste Mal auch, aber auch eben nicht zu 100 %. Durch den Weitwinkel wirken die außenstehenden Kollegen etwas verzerrt, einer der vielen Brillenträger hat eine grüne Reflexion auf einem Brillenglas (ausgerechnet Oberboss smilie ), die ich per Chromatische Aberration-Korrektur etwas mindern konnte. Es musste eben schnell gehen. Außerdem glänzen einige Gesichter trotz anschließender Bearbeitung.

Belohnung

Eine Tüte Funny Frisch Geschmacksrichtung „Currywurst“ und zig Caramacs. smilie

Was würde ich das nächste Mal anders machen?

  • Ich  würde für eine eventuell erforderliche Ausrichtung bei der Bildbearbeitung und den späteren Ausdruck mehr Platz rechts und links der Gruppe lassen – entweder durch eine kürzere Brennweite –  aber wie beschrieben, zickte da der Fokus am Sigma ja herum – oder eben einfach ein oder zwei Schritte zurückgehen.
  • Den Blitz einen Tacken schwächer einstellen, damit der Glanz in einigen Gesichtern nicht so stark wirkt, der selbst durch das Heruntersetzen der Lichter und noch zusätzlichem Korrekturpinseleinsatz in Lightroom kaum beseitigt werden kann. Photoshop-Einsatz war aufgrund der Kürze der Zeit nicht möglich – auch mangels Kenntnisse. Manche Kollegen hatten einen perfekten Teint, einige glänzten aber schon sehr.
  • Auf jeden Fall würde ich dem einen oder anderen vorschlagen, etwas Gesichtspuder zu verwenden, den ich auch zur Verfügung stellen würde. Das Blöde ist, in meiner Schreibtischschublade habe ich eine Puderdose liegen, dann aber vergessen mitzunehmen.
  • Ich kannte glücklicherweise den Raum und konnte vor meinem geistigen Auge schon etwas planen. Aber trotzdem würde ich künftig etwas mehr Vorbereitungszeit einplanen. Danke an meine liebe Kollegin die mir half, Stühle, Clipboard und Wandgehänge zu verschieben bzw. zu entfernen und dass sie sich mir als Model zur Verfügung gestellt hat. Ohne sie wäre ich ein wenig aufgeschmissen gewesen.

Fazit

Es hat tierischen Spaß gemacht, weil alle mitgemacht haben und gut drauf waren. Es war eine neue Erfahrung aber wie die Sportfotografie wird Gruppenfotografie kein Steckenpferd von mir werden.


1 Kommentar

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  • Hallo Sylvi,

    das war wieder einmal ein spannender und interessanter Bericht über Dein „neues“ Hobby. Ich bin schon gespannt, wie Deine Silvesterfotos aussehen werden, jetzt, nachdem Du inzwischen so professionell unterwegs bist.

    Ich wünsche Dir, Deinen tierischen Models sowie all Deinen Lieben eine schöne und besinnliche Zeit.

    Gruß Ingo

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