Actiongeladener Fotoworkshop „Touch and Go“

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Nachdem mir der Anfänger-Workshop sehr gut gefiel, zögerte ich gar nicht lang, als mein Fotowalk-Leiter einen Fotoworkshop auf dem Flugplatz Bad Sassendorf in Soest anbot. Termin und Thema passten, Preis auch und so griff ich zu.
Letzten Samstag war es dann soweit und ich kann jetzt schon vorwegnehmen: ich habe es nicht bereut. So sicher war es gar nicht, dass es bei diesem Termin überhaupt bleiben wird, da die Wettervorhersage mit Regen und sogar Schnee für das Wochenende drohte. Da macht nicht nur das Fotografieren keinen Spaß, die Fliegerei ebenso wenig.

Man kannte sich

Flugplatz Bad Sassendorf in SoestBegonnen hat der Fotoworkshop mit einer Tasse Kaffee in dem Restaurant „Tante Ju“ und einem Vorgespräch. Alle Teilnehmer stellten sich vor, obwohl wir uns eigentlich schon von diversen Fotowalks kannten. Dann beschrieb jeder seine Erwartungen an den Workshop und welche fotografischen Erfahrungen bzw. Kenntnisse vorliegen.

Thorsten war dieses Mal nicht allein an der Front. Johannes – leidenschaftlicher Flieger und Fotograf – erzählte einiges über den Flugplatz und welche Flugzeugtypen dort zur Regatta gehören. Natürlich wurde auch noch das Thema Sicherheit nahe der Start- und Landebahn angesprochen – ganz wichtig für uns Fotografen, die ja schon einmal sehr motivverliebt alles andere um sich herum vergessen können. ;-)

Während wir uns in dem Raum unterhielten, schwebten bereits die Fallschirmspringer vom Himmel und wir hörten, wie Flugzeuge starteten und landeten. Eine gewisse Unruhe machte sich daraufhin recht schnell breit und wir beschlossen, nicht mehr lange zu palavern, sondern möglichst schnell zur Tat zu schreiten.

Draußen stach uns als Erstes das Camouflage-Flugzeug ins Auge – vorgesehen für den Transport von Fallschirmspringern.

Aber jetzt erst mal langsam.

Was erwartete ich eigentlich von dem Workshop?

TankstelleNaja, erst einmal war ich nur happy, dass er trotz miserabler Wettervorhersage stattfand. Worin mir einfach die Übung fehlt, sind Mitzieher. Ihr wisst schon: bewegende Ziele scharf abzulichten, während der Hintergrund in dynamischer Unschärfe verschwindet. Geübt hatte ich kürzlich bei uns in der Nähe bei den Modellfliegern und prompt festgestellt, dass ich eine viel zu kurze Verschlusszeit gewählt hatte. Da war nix mit verwischtem sondern eher krisseligem Hintergrund.

Daher wusste ich, das muss ich dieses Mal ändern.

Außerdem wollte ich noch einige Detailaufnahmen nicht nur von Flugzeugen sondern auch wenn möglich von deren Innenleben machen.

Dann ging’s gleich in die Vollen

Als wir „Tante Ju“ verließen, war erst einmal die Enttäuschung groß, dass sämtliche Fallschirmspringer bereits festen Boden unter den Füßen und wir einen Flugzeugstart verpasst hatten. Wie actionreich es auf dem Flugplatz zuging – im Gegensatz zum Fröndenberger Bahnhof – davon hatte ich keinen blassen Schimmer.

Auf zum FallschirmsprungDenn schon machten sich die nächsten Fallschirmspringer startklar und das Tarnfleckenflugzeug rollte kurz drauf von der Startbahn. Wir platzierten uns am Rande des Rollfeldes und bekamen ein paar Tipps zu den Verschlusszeiten. Ich wählte den S-Modus am Wahlrad für die Zeitpriorität, um mich entsprechend heran zu tasten und die anderen Werte ein wenig außer Acht lassen zu können.

Ob zwischen Start der Fallschirmspringer noch ein oder zwei Flugzeuge gelandet sind? Keine Ahnung. Das ging da Knall auf Fall mit den Starts und Landungen und kaum war das erste gelandete Sportflugzeug im Kasten, startete auch schon das Nächste und umgekehrt.

Chronologie nicht mehr auf dem Schirm

Bei der LandungIch kann auch nicht mehr sagen, wann wir wohin gelaufen sind, um zu fotografieren. Gut, anhand der Uhrzeiten in den Fotodaten könnte ich versuchen, es akribisch nachzuhalten. Ich denke, das ist für diesen Beitrag eher irrelevant. Irre ( ;-) kleines Wortspiel) fand ich den Himmel. Wohin man schaute, sah er anders aus. Das reichte vom dramatischen Wolkenspiel, über ein gleichmäßiges Dunkelblau bis hin zu luftigen Wolkenfäden vor einer hellblauen Wand.

Fallschirmspringer abgeladenDer Preis für diesen tollen Himmel war dann auch ein Regenschauer der uns dann doch einmal erwartungsgemäß überfiel. Und nervig war der scharfe Wind. Und wo befanden wir uns? Genau – am äußersten Ende der Rollbahn, wo wir gerade das Hochziehen eines Segelflugzeuges fotografisch festhielten und „Tante Ju“ war ca. 10-15 Gehminuten weit weg.

Wusstet ihr eigentlich, mit welchem Affentempo so ein Segelflieger hochgezogen wird? Also ich nicht und dessen Start stellte sich für uns fotografisch als eine besondere Herausforderung dar.

SchnellstartGnädigerweise haben uns dann Flugplatzangehörige in dem Zugfahrzeug für Segelflieger Richtung Hallen mitgenommen und wir nutzten das Wetter für eine Kaffee- und Kuchenpause. Aber nur kurz, denn der Himmel klarte zwar wieder auf, aber wir hatten gesehen, dass sich im Norden eine schwarze Wolkenwand gebildet hatte. Johannes meinte, je nachdem wie sich das Wetter entwickelt, werde wohl bald der Flugbetrieb eingestellt oder zumindest reduziert. Daher wollten wir noch möglichst schnell an diesem Tag „mitnehmen“, bevor gar nichts mehr geht.

Petrus war äußerst gnädig

Also wir wieder raus – Flugbetrieb und Fallschirmsprünge ausnutzen! :-)

Ich hatte den Eindruck, dass uns die Fliegerleute im Großen und Ganzen sehr wohlgesonnen waren. Da wurde uns aus den Flugzeugen zugewunken und auch ein „Special-Act“ eingelegt. Man hätte vielleicht doch einmal E-Mail-Adressen austauschen sollen, denn es sind meiner Meinung nach echt nette Fotos dabei herumgekommen.

Blick auf den HangarDa Johannes per Funk immer den aktuellen Stand des Flugbetriebes kannte, trieb er uns auch gleich wieder an „Gleich landet wieder einer, zack zack die Zoomobjektive auf die Kamera!“ oder so ähnlich. Sklaventreiber! ;-) Nein alles gut, wir wollten ja so viel wie möglich üben. Und tatsächlich … die Menge hat’s bei mir gemacht und ich hatte den Eindruck, die Bilder gelingen immer besser.

Apropos Zoomobjektiv. Das 70-300er war nicht immer optimal. Weil wir uns direkt am Rand der Rollbahn befanden, hätte auch mal nur eine 50er Brennweite oder weniger ausgereicht. Dafür sieht man aber wiederum schön die strahlenden Gesichter der Insassen auf den Bildern. Ich würde ja gerne eines davon zeigen, aber hinterher beschwert sich noch jemand wegen der Verletzung seines Persönlichkeitsrechts.

Fallschirmspringer aus der Nähe

TandemsprungWir haben uns dann noch etwas näher an den Fallschirmspringer-Landeplatz begeben (mein Gott, dafür gibt es doch bestimmt einen Fachbegriff ;-) ). Dafür reichte mir mein 28-75er Objektiv total aus. Natürlich musste ich bei der Bildbearbeitung später die Motive freistellen, aber unter 3.500-Pixelbreite von ursprünglich 6.000 musste ich nicht gehen.

Ich bin ja immer wieder beeindruckt, wie man sich aus 4.000 Metern in die Tiefe fallen lassen kann und auch Tandemsprünge wurden dort geboten. Selbst dazu wäre ich viel zu feige.

Aero-Stillleben – am liebsten stundenlang

allein gelassenZwischendurch ging es in den Hangar. Na, das war ja was für mich. Es ist ja schon witzig, ich bin handwerklich und technisch total unbegabt und habe dabei zwei linke Hände. Aber fotografisch finde ich Technik immer wieder faszinierend. Klingt zwar komisch, aber die Flugzeughalle erinnerte mich stilmäßig etwas an den Schrottplatz-Fotowalk.

LichtspiegelungenZwischendurch habe ich dann noch einmal auf den Weitwinkel gewechselt, bin dann aber wieder zum 28-75er zurückgekehrt. Hatte ich bereits schon erwähnt, dass das mein Lieblingsobjektiv ist? ;-) Naja, das Problem mit dem Weitwinkel war, dass man sehr viel draufbekommt und eben auch andere Workshop-Teilnehmer.

Total genial war … die Spätnachmittagssonne schien durch die hochgelegenen Fenster und projizierte tolle Spiegelungen auf den blankgeputzten Tragflächen und Korpussen der Sportflieger. Aber auch das alte, silberfarbene und eingestaubte Flugzeug fand ich sehr spannend.

Flugzeug-Portrait und Portrait am Flugzeug

Cockpit in der AbendsonneZum schönen Abschluss der Stillleben-Fotografie wurde noch ein Sportflugzeug aus der Halle geschoben und war uns von allen Seiten zugänglich und bei voller Abendsonne zum Abschuss freigegeben. Wir hatten echt Glück, dass der Boden inzwischen abgetrocknet war und so kam es auf der Betonpiste zum vollen Körpereinsatz.

Dann stellte sich Johannes noch als Modell vor der untergehenden Sonne zur Verfügung. Mal schau’n, ob ihm eines von meinen Bildern gefällt. In Portraitfotografie fehlt mir nämlich auch die Übung. Außerdem finde ich, er hätte ja mal stilecht eine Fliegerhaube und –brille aufsetzen können. ;-)

Turmbesteigung

Tower-InventarWir bestiegen auch noch den Tower, um darin und drum herum noch Motive einzufangen. Puh, nun pfiff der Wind recht ordentlich und da die komplette Truppe nicht in das Glasaquarium passte, wurde der Rest noch einmal ordentlich durchgepustet. Super, die Haare waren nun komplett zerwuselt und ausgerechnet jetzt musste natürlich noch ein Gruppenfoto gemacht werden. ;-)

Blick vom TowerAm Ende versammelten wir uns alle noch einmal im „Tante Ju“ und unsere Workshop-Leiter wollten noch ein Feedback von uns hören.

Meinen Eindruck aus der Beitragseinleitung, dass ich es nicht bereut habe, muss ich leider korrigieren. Ich habe es nicht nur „nicht bereut, sondern dieser Workshop war das Beste und actionreichste an Fototouren, was ich bisher erlebt habe. Naja und unter den rund 1.500 Fotos fand ich tatsächlich die eine oder andere Aufnahme, die mir gefällt.

Als sehr angenehm habe ich die Atmosphäre auf dem Flugplatz empfunden. Die Leute dort waren uns gegenüber sehr aufgeschlossen und entspannt, was ebenfalls zu der guten Stimmung in unserer Gruppe beigetragen hat.

Tschüss Flugplatz


Die Autorin:

Sylvi

Meine Beiträge beinhalten eigene Erfahrungen, sei es über Soft- und Hardware, Social Media und die ich als WordPress-Bloggerin und Joomlanerin gesammelt habe. Zudem widme ich mich dem schönen Hobby "Fotografie".

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